Vereinschronik

  1906

gründungsurkundeDie Gründung des „Männergesangverein Gruiten“ liegt teilweise im Dunkel der Geschichte. Auf alten Briefbögen ist als Gründungsjahr 1899 angegeben, eine Gründungsurkunde ist allerdings offensichtlich verloren gegangen. Als sich in Gruiten, bedingt durch den Eisenbahnbau, um 1900 der Ortsteil „Station“ entwickelte und Gruiten damit aus seiner dörflichen Enge heraustrat, fanden sich sangesfreudige Bürger zusammen und gründeten den „Männer-Gesang-Verein Gruiten“. Das erste auffindbare Protokoll datiert vom 26. Juni 1906 über eine „am 26. Juni 1906 im Geigis’schen Lokale in Gruiten stattgefundenen Versammlung“. Dieses Protokoll war ausschlaggebend dafür, das Jahr 1906 als Gründungsjahr festzulegen. Das damalige Vereinslokal „Geigis“ existiert heute noch unter dem jetzigen Namen „Ratskeller“.

Der erste Vorstand des Vereins setzte sich zusammen aus den Herren Albert Sterner, Präses, O. Stöver, Schriftführer und Kassierer C. Viemann. In den damaligen Jahren, die heute als „die gute alte Zeit“ angesehen werden, verlief das Leben des Vereins im Geiste jener Zeit teils in unbeschwerter froher Geselligkeit, teils aber auch nachteilig beeinflusst durch Spannungen mancherlei Art, wie sie sich in einem kleinen Ort immer mal ergeben. Die Aktivitäten des Vereins waren über das gemeinsame Singen hinaus vielfältig: Im Jahr 1908 wurde eine Rheintour gemeinsam mit den Frauen der Sänger unternommen. Am 28.03.1910 fand die Feier des fünften Stiftungsfestes statt. Der 28.08.1910 war der Tag eines gemeinsamen Ausflugs der aktiven und passiven Mitglieder mit Familien.

Einerseits zeigten die Sänger großen Eifer bei der Sache, da sie auch freiwillig vor den Gesangsproben an einem Notenunterricht teilnahmen, andererseits aber wird von Strafgeldern berichtet, weil die Sänger zu spät oder gar nicht zu den Proben kamen. In einem Protokoll ohne Datum, jedoch zwischen dem 04. Februar und dem 28. August 1909 datierend, ist folgendes zu lesen: „Zu Punkt zwei wurde beschlossen, dass diejenigen Mitglieder, welche um 9 ¼ Uhr nicht zur Stelle sind 10 Pfennig und wer gar nicht erscheint 20 Pfennig in die Strafkasse zu zahlen haben“. Aus dieser Strafkasse wurde zum Beispiel am 02.12.1910 ein allgemeines Wurstessen finanziert.

Im Übrigen verlief das Leben und Wirken des MGV Gruiten ähnlich wie in anderen Gesangvereinen auch: Es werden Konzerte, Bälle, Theaterabende und dergleichen veranstaltet. Zu dem finden gesellige Zusammenkünfte aktiver und passiver Mitglieder statt. Auch wird ein Wohltätigkeitskonzert „zum Bedürfnis armer Kinder“ veranstaltet. Jungen Sängern, die zum Militär eingezogen wurden, bereitete man Rekrutenabschiedsabende. Das gesellige Leben wurde durch Familienausflüge und Kinderfeste bereichert. Zahlreiche Verbindungen bestanden zu den Gesangvereinen aus dem gesamten Gebiet zwischen Wuppertal und Düsseldorf. Die Protokolle berichten von häufigen Besuchen und Gegenbesuchen.

nach 1914

mgv_1923

In der schwierigen Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs ruhten die Aktivitäten des „Männer-Gesang-Verein Gruiten“. Durch die Einberufung einer Versammlung am 20. Juni 1919 wurde das Vereinsleben wieder aktiviert. Es wurde ein neuer Vorstand gewählt und es kam zur Beschlussfassung in diversen dringenden Angelegenheiten. Durch die einsetzende Inflation wurden die Voraussetzungen für eine gesunde Vereinsarbeit recht schwierig. Anfang 1923 erfolgte die Gründung einer Unterstützungskasse für Beihilfen bei Sterbefällen. Gleichzeitig wurde ein Übungszimmer im Vereinslokal angemietet, um „indirekten Trinkzwang“ zu vermeiden. Infolge der andauernden Geldentwertung erfolgte eine Erhöhung der Beiträge für die aktiven Mitglieder auf 50,00 Mark je Probenabend. Als das Geld schließlich jeden Wertmaßstab verlor, wurde am 22. September 1923 beschlossen, den Beitrag pro Übungsabend im Wert von einem Glas Bier zu entrichten und dem Dirigenten eine Entschädigung im Werte von 25 Glas Bier zu zahlen.

Am 24. Februar 1924 wurde der Entschluss gefasst, eine Fahne bei der Bonner Fahnenfabrik zum Preis von 750,00 Goldmark zu bestellen. Die Einweihung der Fahne erfolgte durch feierliche Enthüllung, Festzug und Konzert mit anschließendem Ball im Lokal Forsthoff. Im Jahre 1925 erfolgte die Aufnahme des Vereins ins Adressbuch und der Beitritt zum Rheinischen bzw. Deutschen Sängerbund, Ortsgruppe Solingen, im Verband „Bergisch Land“. Im Jahre 1926 wurde ein Fahnenschrank angeschafft. Einige Mitglieder stifteten die Materialien und das Mitglied Fritz Köhler übernahm die kostenlose Anfertigung. Die Enthüllung und Einweihung des Fahnen- schrankes erfolgte am 27. März 1926. Der Vereinswirt übernahm die Kosten der Versicherung. Diese betrugen: für die Fahne 100,00 Mark, für den Schrank einschließlich Scheibe 400,00 Mark und für die Scheibe alleine 100,00 Mark. Die Jahreshauptversammlung 1932 fand infolge „triftiger Gründe“ bereits am 27.12.1931 statt. Um sie überhaupt durchführen zu können, wurde jedem Mitglied aus der Vereinskasse ein kleiner Betrag zur Verfügung gestellt, um die Kosten der Versammlung zu bestreiten. Die schlechte wirtschaftliche Lage und die hohe Arbeitslosigkeit machten einen geregelten Probenablauf nahezu unmöglich. Am 25. Juni 1932 wurde in einer außerordentlichen Versammlung beschlossen, die Notzeit abzuwarten und die Probenarbeit für unbestimmte Zeit ruhen zu lassen. Der Vereinskasse wurde ein Betrag von 130 Mark entnommen und unter die Mitglieder verteilt. Der Vereinswirt erhielt ebenfalls einen geringfügigen Betrag für die Aufbewahrung des Vereinsinventars.

Nach 1945

Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg eine Normalisierung der Lebensverhältnisse eingetreten war, erwachte auch wieder dasBedürfnis zum Singen. Am 20. September 1952 fand eine Versammlung im „Ratskeller“ statt, um das ruhende Vereinsleben des rechtlich nach wie vor bestehenden MGV wieder zu aktivieren. 30 aktive Sänger standen dafür zur Verfügung

Mit 42 Sängern hatte der MGV im Jahre 1956 seine höchste Mitgliederzahl in der Nachkriegszeit erreicht.  Das Vereinsleben blühte auf. Jährlich fanden anspruchsvolle Konzerte statt. Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. So gab es Veranstaltungen wie Waldfest, Grillfest, Dorffest und so weiter. Auch der jährliche Chorausflug gehörte zum festen Bestandteil des Vereinslebens. Gemeinschaftskonzerte mit anderen Chören bildeten besondere Höhepunkte im Verlauf eines Jahres. Entweder lud der MGV zu eigenen Veranstaltungen ein oder war Gast bei befreundeten Chören. Am 27. Mai 1961 nahm der MGV unter Leitung seines damaligen Dirigenten Otto Krause an einem Leistungssingen in Wuppertal teil. Dem Verein wurde unter Verleihung eines Diploms die Note „Gut“ erteilt.Zum 75. Vereinsjubiläum fand am 10. Oktober 1981 ein Konzert mit den „Westfälischen Nachtigallen“ statt. Der Festakt wurde am 11. Oktober gemeinsam mit dem Madrigalchor Millrath und dem Städtischen Singverein Haan gestaltet. Ein Höhepunkt im Jahre 1986 war ohne Zweifel die Aufführung von Schillers „Glocke“ am 27. April im Bürgerhaus in Gruiten, zusammen mit dem Madrigalchor Millrath sowie Solisten und Orchester.

mgv_1980

Am 7. und 8. Juni 1986 nahm der MGV Gruiten erstmals am Dorffest in Gruiten teil. Bis einschließlich 2003 gehörte diese Teilnahme an den Dorffesten zum festen Bestandteil der jährlichen Veranstaltungen. Der MGV verkaufte auf eigene Rechnung Grillwürste und Wein. Bestandteil des Programms war ein Liedvortrag des MGV. Höhepunkte im Jahr 1988 waren sicher das Konzert am 12. Juni im Nevigeser Dom sowie das Opern- und Weihnachtskonzert unter Mitwirkung von Josef Esser (Bass) und Winfried Badorek (Tenor) sowie dem katholischen Kinderchor mit Renate Baum am Klavier. Alle zwei Jahre veranstaltete und veranstaltet der MGV Gruiten ein eigenes Konzert und beteiligt sich dazwischen alle zwei Jahre an dem Gemeinschaftskonzert der Gruitener Chöre.

Einen neuen Höhepunkt in seiner Geschichte erreichte der MGV mit seinem Konzert im Bürgerhaus am 25. Oktober 1998 unter dem Motto „Lieder von Land und Meer“. Die örtliche Presse überschlug sich in Superlativen: „Ein Männerchor von echtem Schrot und Korn“ und „…ein Konzert, das die begeisterten Zuhörer mitriss“, „Chorkonzert: Bestechend in der Vielfalt, vereint im Erfolg“. Am 15. Dezember 2001 fand ein Weihnachtskonzert in der evangelischen Kirche in Gruiten-Dorf statt, das von den Besuchern begeistert aufgenommen wurde. Auch die Sänger selbst waren so beeindruckt dass spontan beschlossen wurde, dies jedes Jahr in der Adventszeit zu wiederholen. Das wurde in die Tat umgesetzt und ist bis heute so geblieben.

Am 22. Juni 2003 veranstaltete der MGV einen ersten „Musikalischen Frühschoppen“ im Bürgerhaus Gruiten mit Gesang, Getränken und Bierhappen. Es war ein voller Erfolg. Der Frühschoppen ist jetzt in jeder Jahresplanung des Chores vorgesehen. Auch in den Folgejahren wird der MGV Gruiten regelmäßige Veranstaltungen durchführen. Dazu gehören der „Musikalische Frühschoppen“, das Herbstkonzert (alle zwei Jahre) und das Weihnachtskonzert. Außerdem singen wir alle zwei Jahre am Volkstrauertag am Ehrenmal in Gruiten, und die Teilnahme am Gemeinschaftskonzert der Gruitener Chöre ist garantiert. Höhepunkte waren unter anderen 2004 die Teilnahme beim Singen der Haaner Chöre bei der Zirkusveranstaltung „Haan in der Manege“ und 2005 beim Abschlusskonzert des Bergischen Chorfestes im Dom zu Neviges.

mgv_100_jahre

2006 feierte der Männergesangverein Gruiten sein 100jähriges Jubiläum mit einer Festschrift (hier als PDF zum Download) Mit einem umfangreichen Festprogramm, einem stimmungsvollen Festkonzert und einer Festschrift wurde das herausragende Ereignis der Vereingeschichte gebührend gefeiert.2010 trat Tim Oliver Sander, mit 30 Lebensjahren für einen den Vorsitzenden eines Männergesangvereins bemerkenswert jung, seine Amtszeit an. Das Durchschnittsalter des Vorstands verringerte sich nach der Jahreshauptversammlung 2011 auf 38 Jahre – für die Zukunft ist der MGV also gerüstet. 2011 wurde mit Matthias Bieniek ein ebenfalls junger neuer 1. Vorsitzender gewählt. Der neue Vorstand sieht sich vor schwierigen Aufgaben: Die Schließung des Bürgerhauses Gruiten hat eine Lücke hinterlassen.